DANN - Plattform für performative Zukunftsforschung


 

 

DANN (1)

 

 

Freitag, 31. Mai / Sonntag, 02. Juni 2013, 20.00 Uhr, PATHOS München

 


Früher war die Zukunft ein Versprechen, heute scheint sie bedrohlich.

Harald Welzer


 

Die Utopien sind uns abhanden gekommen. Der Glaube an den Fortschritt, an die Lösbarkeit globaler Probleme hat sich im Angesicht konkreter wirtschaftlicher, sozialer, politischer und ökologischer Bedrohungsszenerien verflüchtigt. Was einmal als gesellschaftlicher Konsens galt - dass es zukünftigen Generationen zwangsläufig besser gehen werde aös der eigenen - ist einer tiefen Angst vor der Zukunft gewichen. Dieser Angst begegnet man in unterschiedlichen Formen, sie formuliert sich als Wut und Protest gegen Führungseliten, im hektischen Aufrechterhalten eines schon brüchig gewordenen Status quo oder in der restaurativen Flucht in die Vergangenheit. Die Aufforderung, unsere Zukunft aktiv und offen zu gestalten, entlockt uns meist nur noch das müde Lächeln dessen, der es besser weiß. Resignation, Depression und Phlegma machen uns zu zynischen Zeugen unseres bevorstehenden Untergangs. Oder? 

 

Die Plattform für performative Zukunftsforschung ist eine social fiction im Futur II: Erinnerung nach vorwärts, „antizipierte Retrospektionen“ (A. Schütz). Ein heutiger Blick auf die Menschen und die Gesellschaft, die wir morgen schon gewesen sein werden. Die Plattform ist eine experimetelle Arbeitsfläche und bietet Künstler_innen und Künstlergruppen einen Spielraum, um sich mit Fragen nach der individuellen und gesamtgesellschaftlichen Zukunft zu konfrontieren und Haltungen gegenüber dieser Zukunft in der Gegenwart zu formulieren: Dystopie oder Utopie? Weiter wie bisher, weil eh nichts mehr geht? Oder etwa doch: Widerstand, Umdenken, Andersmachen?

 

Für die erste Ausgabe der Plattform entwickelten der Münchner Regisseur und Autor Emre Akal und die Soziologin Tunay Önder, die Performancegruppe HUNGER&SEIDE und das neugegründete Kollektiv TRANS.net in einer fünftägigen Recherche-, Konzeptions- und Probenphase performativ-experimentelle Kurzformate. Das PATHOS transport theater und die Räumlichkeiten der PATHOS Ateliers dienten als Spielorte.

 

Emre Akal / Tunay Önder DOYSCHLAND IMPOSSIBLE

TRANS.net MENSCH UND RECHT

HUNGER&SEIDE I WANT YOU BACK!

 

Kuration Sebastian Linz

 

 

 

DANN (2)

 

Freitag, 27. / Sonntag, 29. September 2013, 20.00 Uhr,  PATHOS München

 

Da sitzen wir, mitten in Europa, und basteln an der Erhaltung unseres Status Quo: Ein bisschen bio, ein bisschen fairtrade, ein bisschen erneuerbar, ein bisschen nachhaltig – aber die Privilegien, die wir genießen, bleiben doch bitte die gleichen, ja?! Selbstgefällig rasen wir dem Untergang entgegen: Eine stetig ansteigende Weltbevölkerung schreit nach Wachstum. Der sich ebenso stetig verknappende Ressourcenhaushalt unseres Planeten macht uns einen Strich durch die Rechnung. Die Natur holt sich das zurück, was wir ihr in den wenigen Jahrhunderten des sogenannten Zivilisationsprozesses abgetrotzt haben. Der moderne westliche Kapitalismus als weltumspannendes Lebensmodell steht zur Disposition. Ein Kampf um unsere Hoheitsmacht bahnt sich an – wir werden ihn nur verlieren können. Und das, was wir einst für die Zukunft hielten, haben wir schon längst hinter uns, ohne das es jemals eingetreten wäre. Hochkonjunktur für Apokalyptiker also. Und ebenso eine Blütezeit für Utopisten. – Wenn es aber stimmt, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur theoretische Konstrukte sind; wenn es stimmt, dass sie vor allem Strukturierungsbegriffe für unsere Handlungsmöglichkeiten darstellen – wie sehen dann die Modelle aus, die uns im Angesicht sämtlicher realer wie irrealer Bedrohungsszenarien wieder handeln lassen?

 

DANN geht in die in die zweite Runde. Für die PLATTFORM FÜR PERFORMATIVE ZUKUNFTSFORSCHUNG erforschen Künstler_innen und Künstlergruppen ihre Haltung zu dem, was wir „Zukunft“ nennen, in szenisch-performativen Kurzformaten. Die experimentellen Arbeiten entstehen in einer fünftägigen Recherche-, Konzeptions- und Probenphase.

 

Für DANN (2) prognostizieren ANSTART.ORG (Ulf Goerke / Matthias Wulst) das Aussterben des weißen Mannes. Der Performer Christoph Theussl untersucht ein mittlerweile überholtes Sehnsuchtsbild vergangener Science Fiction: das Beamen. Und Matthias Leitner und Eric Bihl stechen in See, beschwören utopische Inselträume, und erkunden den Equilibrismus, ein sozioökologisch-utopistisches Gesellschaftskonzept.

 

ANSTART.ORG WHITE MEN DOWN
Christoph Theussl / Georg Eggers MUZU - Museum für Zukünftiges

Matthias Leitner / Eric Bihl Inselträume 

 

Kuration Sebastian Linz